Berufsbild

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Staatliche Ausbildung zum*zur Psychologischen Psychotherapeut*in

Nach dem Studium in Psychologie kann die Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin oder zum Psychologischen Psychotherapeuten begonnen werden.

Der Umfang und Aufbau dieser postgradualen Ausbildung ist im Psychotherapeutengesetz (PsychThG) und Ausbildungs- und Prüfungverordnung für Psychologische Psychotherapeut*innen (PsychTh-APrV) geregelt. Die dort aufgeführten Angaben sind Mindestvorgaben.

  • Je nach Institut und Vertiefungsgebiet können zusätzliche Vorgaben festgelegt werden
  • Am Psychotherapeutischen Ausbildungsinstitut Heiligenfeld kann die Ausbildung in mind. vier Jahren absolviert werden
  • Nach 18 Monaten kann die interne Zwischenprüfung abgelegt werden
  • Nach der Zwischenprüfung kann mit der praktischen Ausbildung begonnen werden
  • Nach erfolgreichem Absolvieren der Ausbildung sowie der staatlichen Abschlussprüfung ist eine Approbation als Psychologische*r Psychotherapeut*in vorgesehen

Die Psychotherapie basiert auf wissenschaftlich anerkannten Verfahren, wie der Verhaltenstherapie, der Gesprächstherapie, der Psychoanalyse oder der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind in ihrem Beruf mit einer Vielzahl unterschiedlichster psychischer Störungen und Beschwerden konfrontiert. Sie diagnostizieren und therapieren Probleme seelischer Natur, darunter u.a. die Behandlung von Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, Suchtprobleme usw. Aufgrund der Schwere einiger psychischer Leiden und der Nähe, die sich im Verlauf einer psychotherapeutischen Behandlung zwischen dem Behandelnden und dem*der Psychotherapeut*in entwickelt, erfordert dieser Beruf ein hohes Maß an Empathiefähigkeit und Verständnis. Weiterhin wichtig ist die Fähigkeit, professionellen Abstand zur Patientin und zum Patienten zu wahren. Das gilt in gleicher Weise für ärztliche Psychotherapeut*innen, Psychologische Psychotherapeut*innen sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen.

Das Bayerische Gesundheitsministerium hat die Rechtsaufsicht über die Bayerische Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeut*innen und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen, kurz PTK. Die PTK ist – wie die übrigen Heilberufekammern – eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Aufbau und die Aufgaben der PTK sind im Heilberufe-Kammergesetz geregelt. Zu den Aufgaben der PTK gehört die Berufsaufsicht über in Bayern tätige Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen. Die PTK regelt zudem die Fort- und Weiterbildung der Psychotherapeut*innen. Des Weiteren fördert die PTK die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Psychotherapie und wirkt an der öffentlichen Gesundheitspflege in Bayern mit.

Psychologische Psychotherapeut*innen haben einen Diplom- oder Masterabschluss im Studiengang Psychologie erworben. Im Anschluss an ihr Studium haben sie eine mehrjährige Ausbildung an einem psychotherapeutischen Ausbildungsinstitut absolviert. Diese Ausbildung wird mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen und führt zur Approbation. Psychologische Psychotherapeut*innen behandeln psychische Störungen bei Erwachsenen und/oder Jugendlichen und Kindern. Psychologische Psychotherapeut*innen können in Kliniken arbeiten, eine eigene Praxis führen und an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen. Sie sind – anders als Ärzt*innen – nicht befugt, Medikamente zu verordnen. Wer in der Bundesrepublik Deutschland als ärztliche*r oder als Psychologische*r Psychotherapeut*in oder als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in tätig sein will, bedarf hierzu grundsätzlich einer Approbation.

Wenn ein*e Psychotherapeut*in über eine im PsychThG geregelte abgeschlossene Ausbildung in einem wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren verfügt, kann er die Approbation beantragen und erhalten. Die anerkannten Verfahren beinhalten nicht nur die Richtlinienverfahren (Verhaltenstherapie – VT, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie – TP, analytische Psychotherapie – AP, systemische Therapie – SysT), sondern auch weitere Verfahren wie Gesprächspsychotherapie und Familientherapie. Der*die approbierte Psychotherapeut*in wird automatisch Mitglied in der Psychotherapeutenkammer seines*ihres Bundeslandes. Die Psychotherapeut*innen unterliegen dann der Berufsordnung der jeweiligen Kammer. www.bptk.de

Neu:
Die neue Psychotherapeutenausbildung besteht aus zwei Abschnitten: einem Studium (mit anschließender Approbation) sowie einer Weiterbildung. Bei der Gestaltung der Weiterbildung spielen die Landespsychotherapeutenkammern eine entscheidende Rolle. Sie regeln Inhalte und Strukturen dieser zweiten Phase der beruflichen Qualifizierung. Dafür legen die Psychotherapeutenkammern die Inhalte der Weiterbildung fest, aber auch, wo die Weiterbildung möglich ist („Weiterbildungsstätten“), oder wie die Prüfung und Anerkennung zum*zur Fachpsychotherapeut*in erfolgen (Weiterbildungsabschlüsse). Damit bundesweit möglichst einheitliche Weiterbildungsordnungen entstehen, hat die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) das Kooperationsprojekt “Reform der Musterweiterbildungsordnung“ gestartet. Der Zeitplan ist ehrgeizig: Bereits ab Herbst 2022 könnten die ersten Absolvent*innen des neuen Studiums mit einer Weiterbildung beginnen. https://www.bptk.de/wp-content/uploads/2020/06/bptk-weiterbildung-wie-entsteht-die-neue-weiterbildung.pdf

Neu: Weiterbildung zum*zur Fachpsychotherapeut*in (PiW)
Die Fachkunde (Spezialisierung in Erwachsenen- sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sowie in Verhaltenstherapie, Systemischer Therapie, Analytische oder Tiefenpsychologisch fundierte Therapie) zur Eintragung ins Ärzteregister sowie die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen ist im neuen Psychotherapie-Studium nicht erhalten. Diese muss in einer ca. fünfjährigen Weiterbildung nach dem Studium (ähnlich zum Assistenzärzt*innensystem) an Weiterbildungsinstituten absolviert werden.
Inhalt und Aufbau der postgradualen Weiterbildung sind derzeit  noch offen. Die Ausgestaltung wird den Landespsychotherapeutenkammern obliegen. Es gibt aber schon ein Gesamtkonzept der Bundespsychotherapeutenkammer vom Mai 2017. Dieser Entwurf sieht eine fünfjährige Weiterbildung vor, davon mindestens zwei Jahre im klinischen und zwei Jahre im ambulanten Bereich. Begleitenden sind (wie bisher) Theorieveranstaltungen, Selbsterfahrung und Supervision geplant.

Nach der alten Weiterbildungsverordnung erhalten ärztliche Psychotherapeut*innen die Approbation als Ärzt*in nach bestandener ärztlicher Staatsprüfung und durchlaufen anschließend eine fachärztliche Weiterbildung auf dem Gebiet der Psychotherapie und/oder Psychiatrie.

Damit die Approbation erteilt wird ist Voraussetzung, dass die Antragssteller in persönlicher und gesundheitlicher Hinsicht für die Ausübung dieses Berufes geeignet sind, zudem über eine abgeschlossene psychotherapeutische Ausbildung verfügen. Auch ausreichende Deutschkenntnisse werden vorausgesetzt. Zuständig für die Erteilung der Approbation sind in Bayern die Regierung von Oberbayern und die Regierung von Unterfranken.

Antragstellern, die über einen Ausbildungsnachweis als nichtärztliche*r Psychotherapeut*in verfügen, der im Ausland ausgestellt wurde, kann die Approbation nur erteilt werden, wenn die Gleichwertigkeit des Ausbildungsstandes gegeben ist. Ist dies nicht der Fall und können etwaige Ausbildungsunterschiede nicht durch Berufserfahrung ausgeglichen werden, ist zum Nachweis eines gleichwertigen Kenntnisstands eine Prüfung abzulegen. In diesen Fällen ist bayernweit einheitlich die Regierung von Oberbayern als Approbationsbehörde zuständig.

Die Führung der Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen obliegt den kassenärztlichen Vereinigungen. Die Aufnahme hierin setzt die Approbation und den sogenannten Fachkundenachweis voraus. Der*die Antragsteller*in muss belegen können, dass eine Ausbildung und Prüfung in einem der vier Richtlinienverfahren absolviert wurde. Mit dem Arztregistereintrag ist man zur Abrechnung mit der Beihilfe berechtigt. Von vielen privaten Versicherungen wird der Arztregistereintrag verlangt.

Um mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen zu können, bedarf es einer Kassenzulassung. Die Patient*innen benötigen dann lediglich ihre Krankenversichertenkarte zur Abrechnung. Grundvoraussetzung für die Erteilung einer Kassenzulassung ist eine abgeschlossene Psychotherapieausbildung in einem Richtlinienverfahren (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie, systemische Therapie) und die durch die kassenärztliche Vereinigung erfolgte Zulassung. Die Anzahl der Kassenzulassungen für Psychotherapeut*innen innerhalb einer Region ist begrenzt, sie ist abhängig von der Einwohnerzahl. Von den kassenärztlichen Vereinigungen wird die sogenannte Bedarfsplanung – also die Zahl der Kassenpsychotherapeut*innen festlegt.